Geschichten aus dem Wienerwald

Spätestens seit Einsteins Relativitätstheorie wissen wir, dass Zeit relativ ist, und Objekte in Bewegung sich verglichen zum ruhenden Bezugspunkt in der Zeit schneller vorwärts reisen. Doch nun muss dieser Ansatz revidiert werden: Ich hatte jetzt nach dem Ironman Austria zwei Wochen Off-Season, habe mich kaum bewegt und dennoch ging die Zeit schneller vorbei als erhofft.

 

 

Wobei, ehrlich gesagt hatte ich keine klassische Off-Season, da ich keine zyklische Saison wie ein Radsportler oder Hobbytriathlet habe. Mit Saisonhöhepunkten in April, Juli, September und Dezember ist es schlicht unmöglich, ein Monat komplett schleifen zu lassen. Stattdessen wird nach den großen Rennen bloß 10 Tage nichts trainiert und danach 4 Tage wieder nach Lust und Laune antrainiert. Diese Woche ging's dann schon wieder rund, mit besonderem Genuß denke ich an das Lauftraining auf der Wiener Marswiese zurück.

Der nicht ortskundige Leser darf sich diesen Ort als ein im Westen Wiens an den Wienerwald angrenzende Defäkier-Lokalität für Hunde und solche, die es hätten werden sollen, leider aber bei Katzen-Größe zu wachsen aufgehört haben, vorstellen. Eine lange Allee mit leichter Steigung von ca. 2-3%, ideal, um einminütige Hügelsprints zu machen. Rundherum Nordic-Walkerinnen jenseits ihres Ablaufdatums; hippe, wichtig telefonierende Mittdreißiger mit Headset (vermutlich Redakteure eines Apple-Blogs); Propheten der "slow-and-gentle"-Running-Fraktion, deren Trinkgurt eher als Hüftrollen-Compression-Belt fungiert; und ein Halbnackter in roten Laufhosen.

Als Poser von Welt ist dies natürlich kein Zufall. Wenn die Temperaturen steigen, verleiht die Transpiration der gestählten nackten Heldenbrust den heroisch-güldenen Teint, wie ihn selbst die Maskenbildnerin eines Jean-Claude Van Damme Films nicht besser treffen könnte. Unerlässlich ist es zudem, eine rote weite Hose zu tragen - sie löst bei jungen hübschen Frauen unvermeidlich den Baywatch-Reflex aus. Der Beweis dieses Reflexes mit Hilfe von Hunden sollte übrigens später einmal einen gewissen Herrn Ivan Petrowitsch Pawlow weltberühmt machen, aber dies ist eine andere Geschichte.

 

Inmitten dieses Wahnsinns bin also ich, der Brust-Toupé-lose Mitch Buchannon, wie ich über Hundeleinenhürden hechte, Omas abspurte und schlurfenden Walkerinnen die Überlegenheit des Laufens vor Augen führe, ehe ich nach 54 Sekunden hinter dem nächsten Baum wie ein keuchender Sack Elend zusammenfalle und meine Lunge aushuste.

In den Erholpausen, wo man langsam wieder Farbsehen und Bewusstsein erlangt, kann man die Hundebesitzer beobachten. Sie reden, lachen, schauen, wie sich ihre treuesten Freunde gegenseitig die Genitalien lecken und "auch mal ihren Spaß haben", ehe sie draufkommen, dass der Gesprächspartner ebenfalls einen Rüden hat und der geliebte Rex die ganze Zeit wie wild aufs Zweier-Loch spielt.

 

 

 

Wann kommen Safer-Sex-Plakate für Hunde?

 

 

Verfasst von Rocco am Fr, 07/23/2010 - 17:45.

*brüüüüüüüüüüüll*

selten so gelacht... ;-)

sensationell

ohne Deine Prosa hätte ich das Probeliegen in der Gruft wohl schon aufgegeben.

Da Deine Kurzgeschichten ein Highlight im (Sport)alltag sind und auch immer zum Thema zurückführen, bleibe ich wohl noch dabei

TORINESItri wartet auf die Fortsetzung aus dem Wienerwald.

haha. das hab ich jetzt erst

haha. das hab ich jetzt erst gelesen.
Malou hat dich gesehen :D leider nicht fotografiert.
sowas muss das nächste mal fototechnisch festgehalten werden.......

Hahaa

sehr sehr geil! Lach mich noch immer tot...